Adolf Friedrich von Schack Abenddämmerung

  Sei willkommen, Zwielichtstunde!
  Dich vor allen lieb' ich längst,
  Die du, lindernd jede Wunde,
  Unsre Seele mild umfängst.

5 Hin durch deine Dämmerhelle,
  In den Lüften, abendfeucht,
  Schweben Bilder, die der grelle
  Schein des lauten Tags gescheucht.

  Träume und Erinnerungen
10 Nahen aus der Kinderzeit,
  Flüstern mit den Geisterzungen
  Von vergangner Seligkeit.

  Und zu Jugendlust-Genossen
  Kehren wir ins Vaterhaus;
15 Arme, die uns einst umschlossen,
  Breiten neu sich nach uns aus.

  Nach dem Trennungsschmerz, dem langen,
  Dürfen wir noch einmal nun
  Denen, die dahingegangen,
20 Am geliebten Herzen ruhn;

  Und indes zum Augenlide
  Sanft der Schlummer niederrint,
  Sinkt auf uns ein sel'ger Friede
  Aus dem Land, wo jene sind.

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