Anastasius Grün Der Ring (1810)

  Ich saß auf einem Berge
  Gar fern dem Heimatland,
  Tief unter mir Hügelreihen,
  Talgründe, Saatenland!

5 In stillen Träumen zog ich
  Den Ring vom Finger ab,
  Den sie, ein Pfand der Liebe,
  Beim Lebewohl mir gab.

  Ich hielt ihn vor das Auge,
10 Wie man ein Fernrohr hält,
  Und guckte durch das Reifchen
  Hernieder auf die Welt:

  Ei, lustiggrüne Berge
  Und goldnes Saatgefild,
15 Zu solchem schönen Rahmen
  Fürwahr ein schönes Bild!

  Hier schmucke Häuschen schimmernd
  Am grünen Bergeshang,
  Dort Sicheln und Sensen blitzend
20 Die reiche Flur entlang!

  Und weiterhin die Ebne,
  Die stolz der Strom durchzieht;
  Und fern die blauen Berge,
  Grenzwächter von Granit!

25 Und Städte mit blanken Kuppeln,
  Und grünes Wälderreich,
  Und Wolken, ziehend zur Ferne,
  Wohl meiner Sehnsucht gleich!

  Die Erde und den Himmel,
30 Die Menschen und ihr Land,
  Dies alles hielt als Rahmen
  Mein goldner Reif umspannt.

  O schönes Bild, zu sehen
  Vom Ring der Lieb' umspannt
35 Die Erde und den Himmel,
  Die Menschen und ihr Land!

Neuen Kommentar hinzufügen

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt, die Moderation der Kommentare liegt allein bei Lyrik123.de. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.