Anastasius Grün Die Grabrose (1832)

  Du Grabesrose wurzelst wohl in ihres Herzens Schoß,
  und ihres ew'gen Schlafes Hauch zog deine Keime groß.
  Du saugest Glut und Lebenskraft aus ihres Herzens Blut,
  sie gab ja Freude stets und Lust und gibt's noch, wenn sie ruht.

5 Dein Lächeln und dein Duften stahlst und schlürftest du aus ihr,
  den roten Kelch, den formtest du aus ihren Wangen dir.
  Die Purpurblätter sogest du aus ihrem süßen Mund,
  drum sind sie auch so rot und lind, so duftig und so rund.

  Sie gab dir Blätter, Farb' und Duft, gab Glut und Leben dir,
10 woher nahmst du die Dornen wohl? Die kommen nicht von ihr!
  Willkommen denn, und bleibe mein! Wenn Haß und Nacht mir droht,
  erinnre mich dein Flammenkelch an Liebe und Morgenrot.

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