August Kopisch Der gestrichene Scheffel (1853)
O weh, o weh, ich armer Mann!
Ich hab kein Geld, was fang ich an?
Und kann ichs nicht erschwingen,
so mags der Teufel bringen! –
5 Da kam der Teufel, bot dem Mann
Von Gold einen genzen Scheffel an,
Gehäuft, und sprach mit Tücke:
Gieb ihn im Jahr zurücke!
Du kriegst das Maß gehäufelt, Mann,
10 Gestrichen nehm ich’s wieder an. –
Er denkt, das muß verführen,
Es wird’s verjubilieren!
Gern nehm ich’s, sprach darauf der Mann –
Und schrieb am Pakt – doch sag mir an:
15 Darf ich dir’s dann nur eben
Nicht eher wiedergeben? –
Auch eher! Ja, mein lieber Mann! –
Gut, schön! So nimm es jetzo an:
Ich hab es abgestrichen;
20 So ist das all verglichen! –
Noch beut der Teufel unserm Mann
Krumm, dumm und stumm den Scheffel an,
Doch der sagt frisch und heiter:
Ich dank, ich brauch nichts weiter!
25 Seit dieser Zeit sieht seinen Mann
Der Teufel sich viel besser an!
Gar raffinirt im Takte
Sind jetzt Contract’ und Pakte.
Bibliographische Daten
August Kopisch (1799-1853)
Der gestrichene Scheffel
O weh, o weh, ich armer Mann! …
1853
Spätromantik
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