August Kopisch Der Klopfer (1853)

  O du neugierig Fräulein du,
       Den Kobold willst du sehn! –
  Die Neugier läßt ihr keine Ruh,
       Er muß von hinnen gehn! –

5 Da war er fort von unserm Schloß,
       Den man den Klopfer hieß.
  Die Mädchen all es sehr verdroß,
       Daß er das Schloß verließ.

  Rein ward der Flur, indem man schlief,
10      Man sah nicht wie's geschah!
  Fehlt' einem was und eines rief:
       »Hol's Klopfer!« – Klapp, war's da!

  Eh man den Brunnen noch erreicht –
       Schwapp! – war der Krug gefüllt,
15 Und hübschen Mädchen doch so leicht,
       Als ob ihn jemand hielt.

  Wenn einen Groschen man verlor
       Und Klopferchen war nah:
  »Geh Klopfer, hol den Groschen vor!« –
20      Klapp! – lag der Groschen da.

  War man beschneit, so rief man: »Oh!
       Komm Klopfer, klopf' mich ab!«
  Wie war klein Klopferchen da froh
       Und klopfte auf und ab.

25 Gar fein klopft' er die Pelzlein aus
       Und putzte Mädchenschuh;
  In Küch' und Keller, im ganzen Haus
       Half er ohne Rast und Ruh.

  Und Erbsen lesen konnt' er flink!
30      Schirr, pirr! – war alles rein.
  Beim Rübchenschaben ging, berblink!
       Schibb, schibb, sein Messerlein.

  Wie fein schnitt er die Bohnen und
       Die Gurken zum Salat:
35 Die Klößchen macht' er niedlich rund,
       Auch briet er delikat!

  Mit Tellern klappern war sein Spaß,
       Er wusch sie – ach, so rein!
  Krystallhell putzt' er jedes Glas
40      Und stellt es auf – so fein!

  Recht wie ein Mäuslein kam er an
       Und klapperte mit was –
  »Da wieg' das Kindlein« sprach man dann:
       »Und hol mir dies und das!« –

45 Ach, in das gnäd'ge Fräulein gar
       Schien er verliebt zu sein
  Und ließ sich narren immerdar
       Mit tausend Plackerein!

  Er sah ihr an den Augen ab,
50      Worauf ihr Wunsch gestellt: –
  Sie hetzte ihn Trepp auf Trepp ab
       Und durch die ganze Welt.

  Sie sprach: »da trag das Brieflein fort
       Und bring die Antwort mir.« –
55 Da klapperte Klopfer fort von dort:
       Husch! war die Antwort hier.

  »Wo mag mein Fingerhütchen sein?« –
       Tapp! lag es auf dem Tisch. –
  »Mein Sessel ist von Staub nicht rein« –
60      Husch! – fegt' ein Federwisch.

  »Wer fädelt mir die Nadel ein?«
       Zipp! – saß der Faden drin. –
  »Die Kerze giebt so matten Schein« –
       Putz! – flog die Schnuppe hin! –

65 »Mich drückt der Schuh, – Pantoffel her!«
       Schurr, schurr, da standen sie!
  »Ach wüßt' ich wo die Hitsche wär?«
       Ruckruck, da bracht' er die.

  »Ach, wär der Junker hier, vom Stein!« –
70      Der Klopfer stapft hinaus:
  Da guckte der Junker schon herein
       Mit einem Blumenstrauß.

  Oft sagte: lieber Klopfer, sie:
       Reich mir dein Händlein dar. –
75 Sie sah's nicht, doch sie fühlte wie
       Es weich wie Seide war.

  Da hielt sie ihn, wollt' endlich dann
       Ihn sehn leibhaftiglich;
  Doch Klopfer fing zu blitzen an
80      Und hub von dannen sich.

  – Wenn nun kein Unheil draus entsteht,
       Daß er im Zorne ging:
  Denn wo ein Geist im Zorne geht
       Ists ein gefährlich Ding!

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