Carl Bernhard von Trinius Wißt Ihr von des Bergmanns Leiche (1821)

       Wißt Ihr von des Bergmanns Leiche
  Aus dem Schachte zu Falun?
  Dem der Gott im Schattenreiche
  Unverletzt vergönnt zu ruhn?
5 Nicht der Nachwelt Thränen weckte
  Dieser Jüngling grauer Zeit;
  Doch den treugeliebten deckte
  Erde, nicht Vergessenheit.

       Bey des Grubenlämpchens Schimmern
10 Mußte sich das junge Herz
  Selber seine Ruhstatt zimmern,
  Einen Sarg aus blankem Erz.
  Bis nach mehr denn sechzig Jahren,
  Viele hundert Klafter tief
15 Man hinab zur Stell' gefahren,
  Wo der arme Bergmann schlief.

       Doch wie, rein und aufgehoben,
  Ruht im Erdenschoß das Gold,
  Das befleckt im Licht hier oben
20 Durch der Menschenhände rollt;
  So im Schoß metallner Klüfte
  Schloß das ewige Gestein
  In ambrosisch reine Düfte
  Unversehrt den Schläfer ein.

25      Wie er nun ans Licht gezogen,
  Blühend wie ein Mayentag,
  Dem der Sonne Glanz entflogen,
  Vor des Volkes Augen lag;
  Fragen staunend alle Blicke:
30 Wer der Wunderjüngling sey?
  Und es zittert an der Krücke
  Auch ein Mütterchen herbey.

       Flehend drängt die Tiefbetrübte
  Durch die Menge sich, und schaut —
35 Ja! er ists der Heißgeliebte!
  Und sie ist des Jünglings Braut!
  »Nur der Tod kann dich mir geben,

   Aber ich war ewig Dein!«
  Sprachs, und schlief zum bessern Leben
40 An des Jünglings Busen ein.

Weitere Gedichte von Carl Bernhard von Trinius

Neuen Kommentar hinzufügen

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt, die Moderation der Kommentare liegt allein bei Lyrik123.de. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.