Christian Daniel Friedrich Schubart Die Forelle (1783)

  In einem Bächlein helle,
     Da schoß in froher Eil'
  Die launige Forelle
     Vorüber wie ein Pfeil.
5 Ich stand an dem Gestade,
     Und sah in süßer Ruh'
  Des muntern Fisches Bade
     Im klaren Bächlein zu.

  Ein Fischer mit der Ruthe
10    Wohl an dem Ufer stand
  Und sah's mit kaltem Blute,
     Wie sich das Fischlein wand.
  So lang dem Wasser Helle,
     So dacht' ich, nicht gebricht,
15 So fängt er die Forelle
     Mit seiner Angel nicht.

  Doch plötzlich war dem Diebe
     Die Zeit zu lang. Er macht
  Das Bächlein tückisch trübe,
20    Und eh' ich es gedacht,
  So zuckte seine Ruthe,
     Das Fischlein zappelt dran,
  Und ich mit regem Blute
     Sah die Betrogne an.

25 Die ihr am goldnen Quelle
     Der sichern Jugend weilt,
  Denkt doch an die Forelle;
     Seht ihr Gefahr, so eilt!
  Meist fehlt ihr nur aus Mangel
30    Der Klugheit. Mädchen, seht
  Verführer mit der Angel!
     Sonst blutet ihr zu spät.

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