Christian Ludwig Reissig Lied aus der Ferne

  Als mir noch die Träne der Sehnsucht nicht floß,
  Und neidisch die Ferne nicht Liebchen verschloß,
  Wie glich da mein Leben dem blühenden Kranz,
  Dem Nachtigallwäldchen, voll Spiel und voll Tanz!

5 Nun treibt mich oft Sehnsucht hinaus auf die Höhn,
  Den Wunsch meines Herzens wo lächeln zu seh'n!
  Hier sucht in der Gegend mein schmachtender Blick,
  Doch kehret es nimmer befriedigt zurück.

  Wie klopft es im Busen, als wärst du mir nah,
10 O komm, meine Holde, dein Jüngling ist da!
  Ich opfre dir alles, was Gott mir verlieh,
  Denn wie ich dich liebe, so liebt' ich noch nie!

  O Teure, komm eilig zum bräutlichen Tanz!
  Ich pflege schon Rosen und Myrten zum Kranz.
15 Komm, zaubre mein Hüttchen zum Tempel der Ruh,
  Zum Tempel der Wonne, die Göttin sei du!

Neuen Kommentar hinzufügen

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt, die Moderation der Kommentare liegt allein bei Lyrik123.de. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.