Christian Ludwig Reissig Des Kriegers Abschied

  Ich zieh' in's Feld, von Lieb' entbrannt,
  Doch scheid' ich ohne Tränen;
  Mein Arm gehört dem Vaterland,
  Mein Herz der holden Schönen;
5 Denn zärtlich muß der wahre Held
  Stets für ein Liebchen brennen,
  Und doch für's Vaterland im Feld
  Entschlossen sterben können.

  Ich kämpfte nie, ein Ordensband
10 Zum Preise zu erlangen,
  O Liebe, nur von deiner Hand
  Wünscht' ich ihn zu empfangen;
  Laß' eines deutschen Mädchens Hand
  Mein Siegerleben krönen,
15 Mein Arm gehört dem Vaterland,
  Mein Herz der holden Schönen!

  Denk' ich im Kampfe liebewarm
  Daheim an meine Holde,
  Dann möcht ich seh'n, wer diesem Arm
20 Sich widersetzen wollte;
  Denn welch ein Lohn! wird Liebchens Hand
  Mein Siegerleben krönen,
  Mein Arm gehört dem Vaterland,
  Mein Herz der holden Schönen!

25 Leb' wohl, mein Liebchen, Ehr und Pflicht
  Ruft jetzt die deutschen Krieger,
  Leb' wohl, leb' wohl und weine nicht,
  Ich kehre heim als Sieger;
  Und fall' ich durch des Gegners Hand,
30 Dann soll mein Ruf noch tönen:
  Mein Arm gehört dem Vaterland,
  Mein Herz der holden Schönen!

Neuen Kommentar hinzufügen

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt, die Moderation der Kommentare liegt allein bei Lyrik123.de. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.