Clemens Brentano Wenn der lahme Weber träumt, er webe (1834)

  Wenn der lahme Weber träumt, er webe,
  Träumt die kranke Lerche auch, sie schwebe,
  Träumt die stumme Nachtigall, sie singe,
  Daß das Herz des Widerhalls zerspringe,
5 Träumt das blinde Huhn, es zähl' die Kerne,
  Und der drei je zählte kaum, die Sterne,
  Träumt das starre Erz, gar linde tau' es,
  Und das Eisenherz, ein Kind vertrau' es,
  Träumt die taube Nüchternheit, sie lausche,
10 Wie der Traube Schüchternheit berausche;
  Kömmt dann Wahrheit mutternackt gelaufen,
  Führt der hellen Töne Glanzgefunkel
  Und der grellen Lichter Tanz durchs Dunkel,
  Rennt den Traum sie schmerzlich übern Haufen,
15 Horch! die Fackel lacht, horch! Schmerz-Schalmeien
  Der erwachten Nacht ins Herz all schreien;
  Weh, ohn' Opfer gehn die süßen Wunder,
  Gehn die armen Herzen einsam unter!

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