Conrad Ferdinand Meyer Das tote Kind A (1862)

  Der Garten war in Schlaf gebannt,
  Als man das schwarze Tuch gespannt,
  Es lag der Schnee noch hoch genug,
  Da man das Kind zu Grabe trug.

5 Nun wehn die Lüfte wieder lau,
  Der Himmel leuchtet wieder blau,
  Der Springbrunn plätschert hin und her
  Wo weilst du, Kindchen? plaudert er.

  Die duft’ge Winde klettert schwank
10 Empor und blickt ins Fenster schlank:
  Herzkindchen, wo verbirgst du dich?
  Die Blumen drunten schicken mich!

  Im Garten summt es weit und breit:
  Was hast du für ein Sommerkleid?
15 Komm schnell aus deinem Kämmerlein
  Und sieh den schönen Sonnenschein.

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