Conrad Ferdinand Meyer Hussens Kerker (1883)

  Es geht mit mir zu Ende,
  Mein Sach und Spruch ist schon
  Hoch über Menschenhände
  Gerückt vor Gottes Thron,
5 Schon schwebt auf einer Wolke,
  Umringt von seinem Volke,
  Entgegen mir des Menschen Sohn.

  Den Kerker will ich preisen,
  Der Kerker, der ist gut!
10 Das Fensterkreuz von Eisen
  Blickt auf die frische Flut,
  Und zwischen seinen Stäben
  Seh ich ein Segel schweben,
  Darob im Blau die Firne ruht.

15 Wie nah die Flut ich fühle,
  Als läg ich drein versenkt,
  Mit wundersamer Kühle
  Wird mir der Leib getränkt –
  Auch seh ich eine Traube
20 Mit einem roten Laube,
  Die tief herab ins Fenster hängt.

  Es ist die Zeit zu feiern!
  Es kommt die große Ruh!
  Dort lenkt ein Zug von Reihern
25 Dem ewgen Lenze zu,
  Sie wissen Pfad und Stege,
  Sie kennen ihre Wege –
  Was, meine Seele, fürchtest du?

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