Eduard Mörike Ein Irrsal kam in die Mondscheingärten (1824)

  Ein Irrsal kam in die Mondscheingärten
  Einer einst heiligen Liebe.
  Schaudernd entdeckt' ich verjährten Betrug.
  Und mit weinendem Blick, doch grausam,
5 Hieß ich das schlanke,
  Zauberhafte Mädchen
  Ferne gehen von mir.
  Ach, ihre hohe Stirn
  War gesenkt, denn sie liebte mich;
10 Aber sie zog mit Schweigen
  Fort in die graue
  Welt hinaus.

  Krank seitdem,
  Wund ist und wehe mein Herz.
15 Nimmer wird es genesen!

  Als ginge, luftgesponnen, ein Zauberfaden
  Von ihr zu mir, ein ängstig Band,
  So zieht es, zieht mich schmachtend ihr nach.
  - Wie? wenn ich eines Tags auf meiner Schwelle
20 Sie sitzen fände, wie einst, im Morgen-Zwielicht,
  Das Wanderbündel neben ihr,
  Und ihr Auge, treuherzig zu mir aufschauend,
  Sagte, da bin ich wieder
  Hergekommen aus weiter Welt!

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