Eduard Mörike Nixe Binsefuß (1830)

  Des Wassermanns sein Töchterlein
  tanzt auf dem Eis im Vollmondschein,
  sie singt und lachet sonder Scheu
  wohl an des Fischers Haus vorbei.

5 »Ich bin die Jungfer Binsefuß,
  und meine Fisch' wohl hüten muß,
  meine Fisch' die sind im Kasten,
  sie haben kalte Fasten;

  von Böhmerglas mein Kasten ist,
10 da zähl' ich sie zu jeder Fris.
  Gelt, Fischermatz? gelt, aler Tropf,
  dir will der Winter nicht in Kopf?

  Komm mir mit deinen Netzen!
  die will ich schön zerfetzen!
15 Dein Mägdlein zwar ist fromm und gut,
  ihr Schatz ein braves Jägerblut.

  Drum häng' ich ihr, zum Hochzeitsstrauß,
  ein schilfen Kränzlein vor das Haus,
  und einen Hecht, von Silber schwer,
20 er stammt von König Artus her,

  ein Zwergen Goldschmids Meisterstück,
  wer's hat, dem bringt es eitel Glück:
  er läßt sich schuppen Jahr für Jahr,
  da sind's fünfhundert Gröschlein baar.

25 Ade, mein Kind! Ade für heut!
  Der Morgenhahn im Dorfe schreit.«

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