Eduard Mörike Zu einer Konfirmation (1829)

  Bei jeder Wendung deiner Lebensbahn,
  Auch wenn sie glückverheißend sich erweitert
  Und du verlierst, um Größres zu gewinnen:
  -- Betroffen stehst du plötzlich still, den Blick
5 Gedankenvoll auf das Vergangne heftend;
  Die Wehmut lehnt an deine Schulter sich
  Und wiederholt in deine Seele dir,
  Wie lieblich alles war, und daß es nun
  Damit vorbei auf immer sei, auf immer!

10 Ja, liebes Kind, und dir sei unverhohlen:
  Was vor dir liegt von künftgem Jugendglück,
  Die Spanne mißt es einer Mädchenhand.
  Doch also ward des Lebens Ordnung uns
  Gesetzt von Gott; den schreckt sie nimmermehr,
15 Der einmal recht in seinem Geist gefaßt,
  Was unser Dasein soll. Du freue dich
  Gehabter Freude; andre Freuden folgen,
  Den Ernst begleitend; dieser aber sei
  Der Kern und sei die Mitte deines Glücks!

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