Emanuel Geibel Hoffnung (1841)

  Und dräut der Winter noch so sehr
  Mit trotzigen Gebärden,
  Und streut er Eis und Schnee umher,
  Es muß doch Frühling werden.

5 Und drängen die Nebel noch so dicht
  Sich vor den Blick der Sonne,
  Sie wecket doch mit ihrem Licht
  Einmal die Welt zur Wonne.

  Blast nur, ihr Stürme, blast mit Macht,
10 Mir soll darob nicht bangen,
  Auf leisen Sohlen über Nacht
  Kommt doch der Lenz gegangen.

  Da wacht die Erde grünend auf,
  Weiß nicht, wie ihr geschehen,
15 Und lacht in den sonnigen Himmel hinauf,
  Und möchte vor Lust vergehen.

  Sie flicht sich blühende Kränze ins Haar
  Und schmückt sich mit Rosen und Ähren
  Und läßt die Brünnlein rieseln klar,
20 Als wären es Freudenzähren.

  Drum still! Und wie es frieren mag,
  O Herz, gib dich zufrieden;
  Es ist ein großer Maientag
  Der ganzen Welt beschieden.

25 Und wenn dir oft auch bangt und graut,
  Als sei die Höll' auf Erden,
  Nur unverzagt auf Gott vertraut!
  Es muß doch Frühling werden.

Neuen Kommentar hinzufügen

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt, die Moderation der Kommentare liegt allein bei Lyrik123.de. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.