Emanuel Geibel Im Gebirg (1849)
Nun rauscht im Morgenwinde sacht,
So Busch als Waldrevier!
So rauscht meine Sehnsucht Tag und Nacht,
Rauscht immerdar nach dir.
5 Du merkst es nicht, du bist so weit,
Kein Laut herüber spricht;
O schlimme Zeit, einsame Zeit!
Und Flügel hab' ich nicht.
Vom höchsten Berg mein Auge sieht
10 Umsonst nach West und Ost,
Ein Gruß zu dir, von dir ein Lied,
Das ist mein einz'ger Trost.
So sing' ich denn durch Wald und Dorn
Meine Weis' im Wanderzug:
15 Deine Lieb' das ist ein süßer Born,
Deß trink' ich nie genug."
Bibliographische Daten
Emanuel Geibel (1815-1885)
Im Gebirg
Nun rauscht im Morgenwinde sacht, …
1849
Spätromantik
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