Ferdinand Freiligrath Der Edelfalk (1837)

  Die Fürstin zog zu Walde
  mit Jägern und Marschalk;
  da sah sie reiten balde
  ein junger Edelfalk.

5 Er sprach: "Wie klirrt dein Bügel;
  wie glänzt Agraff' und Tress';
  wie locker hängt dein Zügel,
  holdselige Prinzess!

  Wie sitzest du zu Pferde
10 so königlich und schlank!
  Wie weht zur grünen Erde
  dein Schleier weiß und lang!

  Wie nickt dein Hutgefieder
  vom flücht'gen, wilden Ritt!
15 Wie zieret deine Glieder
  das knappe Jagdhabit!

  O, könnt' ich deinen Reizen
  allzeit ein Diener sein!
  Den Reiher wollt' ich beizen,
20 Herrin, für dich allein!

  Ich wollte mit ihm ringen,
  dein starkes Federspiel,
  bis er, mit blut'gen Schwingen,
  zu deinen Füßen fiel!"

25 Bezwungen von Verlangen,
  duckt er ins Haideland;
  er läßt sich willig fangen
  von eines Pagen Hand.

  Der bietet ihn der Holden
30 dar, mit gebogenem Knie;
  mit einem Ringe golden
  schmückt den Gefangnen sie.

  Nun muß er sie begleiten
  mit seiner krummen Klau';
35 er muß für sie bestreiten
  den Reiher, silbergrau.

  Er trägt eine Lederkappe,
  sie nimmt ihn mit auf's Pferd.
  Burgherr und Edelknappe
40 hält ihn des Neides wert.

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