Friedrich Hebbel An den Tod (1837)

  Halb aus dem Schlummer erwacht,
  Den ich traumlos getrunken,
  Ach, wie war ich versunken
  In die unendliche Nacht!

5 Tiefes Verdämmern des Seins,
  Denkend nichts, noch empfindend!
  Nichtig mir selber entschwindend,
  Schatte mit Schatten zu eins!

  Da beschlichs mich so bang,
10 Ob auch, den Bruder verdrängend,
  Geist mir und Sinne verengend,
  Listig der Tod mich umschlang.

  Schaudernd dacht ichs und fuhr
  Auf und schloß mich ans Leben,
15 Drängte in glühndem Erheben
  Kühn mich an Gott und Natur.

  Siehe, da hab ich gelebt:
  Was sonst, zu Tropfen zerflossen,
  Langsam und karg sich ergossen,
20 Hat mich auf einmal durchbebt.

  Oft noch berühre du mich,
  Tod, wenn ich in mir zerrinne,
  Bis ich mich wieder gewinne
  Durch den Gedanken an dich!

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