Friedrich Martin von Bodenstedt Liebesklage (1868)
Braust es, weht es, und der Bäume Gipfel tief sich neigen
tut mir's Herz weh' und ins Auge bittre Tränen steigen.
Trüb in endlos bitterm Kummer meine Tage schwinden,
nur in heissen Tränen kann ich noch Erleichtrung finden.
5 Tränen trösten, doch sie bringen Glück nicht, das verschwunden,
nie vergisst, wer Glück genossen, währt's auch nur Sekunden.
Und doch Menschen giebt es, die mein Schicksal mir beneiden.
Ist der Halm noch glücklich, dörrend einsam auf der Haiden?
Ohne Tau und ohne Sonne auf der Haid' im Sande.
10 Traurig ohne den Geliebten ist's im fremden Lande,
ohne ihn hab' ich kein Schicksal, scheint die Welt Gefängnis,
ohne ihn nicht Glück noch Ruhe, Not nur und Bedrängnis.
Und doch Menschen giebt es, die mein Schicksal mir beneiden.
Ist der Halm noch glücklich, dörrend einsam auf der Haiden?
15 Ohne Tau und ohne Sonne auf der Haid' im Sande.
Sprich! wo bist du, mein Lieber, mit den schwarzen Augenbrauen?
Komm! komm, den Kummer, den du selber mir gemacht, zu schauen.
O, zu wem soll ich mich wenden? Wer, der mit mir gern ist?
Der mich liebt und den ich liebe, wenn der Eine fern ist.
20 Hätt' ich Flügel, zum Geliebten schnell geflogen käm' ich,
aber hier mein junges Leben welk' ich, welk ich und vergräm' ich.
Bibliographische Daten
Friedrich Martin von Bodenstedt (1819-1892)
Liebesklage
Braust es, weht es, und der Bäume Gipfel tief sich neigen …
1868
Spätromantik
- Gott hieß die Sonne glühen
- Schlag' die Tschadra zurück! Was verhüllst du dich?
- Es hat die Rose sich beklagt
- Und was die Sonne glüht
- Seh' ich deine zarten Füßchen an
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