Friedrich Martin von Bodenstedt Seh’ ich deine zarten Füßchen an (1867)
Seh' ich deine zarten Füßchen an,
so begreif' ich nicht, du süßes Mädchen,
wie sie so viel Schönheit tragen können,
so viel, so viel Schönheit.
5 Seh' ich deine kleinen Händchen an,
so begreif' ich nicht, du süßes Mädchen,
wie sie solche Wunden schlagen können,
solche, solche Wunden.
Seh' ich deine ros'gen Lippen an,
10 so begreif' ich nicht, du süßes Mädchen,
wie sie einen Kuß versagen können,
einen Kuß, einen Kuß.
Seh' ich deine klugen Augen an,
so begreif' ich nicht, du süßes Mädchen,
15 wie sie nach mehr Liebe fragen können,
als ich fühle.
Sieh' mich gnädig an, wärmer als mein Herz,
du süßes Mädchen,
wird kein Menschenherz dir schlagen können.
20 Hör' dies wonnevolle Liedchen an,
schöner als mein Mund, du süßes Mädchen,
wird kein Mund dir Liebe klagen können.
Bibliographische Daten
Friedrich Martin von Bodenstedt (1819-1892)
Seh’ ich deine zarten Füßchen an
Seh' ich deine zarten Füßchen an, …
1867
Spätromantik
- Gott hieß die Sonne glühen
- Schlag' die Tschadra zurück! Was verhüllst du dich?
- Es hat die Rose sich beklagt
- Und was die Sonne glüht
- Liebesklage
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