Friedrich Rückert Du bist nicht schön, kann ich dir redlich sagen (1812)

  Du bist nicht schön, kann ich dir redlich sagen,
   Du bist nicht schön, ob rot gleich ist die Wange,
   Und blau das Aug' und braun das Haar, das lange,
   Viel Schönre sah ich schon in meinen Tagen.
5 Und daß ich so in Wohl- und Wehbehagen,
   Nicht zu nicht abwärts könnend, an dir hange,
   Nicht deine Schönheit ist die goldne Spange;
   Die eherne, die ich muß küssend nagen,
  Dein Trotz ist es, dein starrer Sinn und steifer,
10  Rauh, dornig, wild, verhöhnend die Bezwinger
   Die Wälder von - du kennst es nicht - Hyrkanien.
  Das hält mich fest an dir mit Thoreneifer,
   Dem Knaben gleich, der klaubt mit wundem Finger
   Die Stachelfrucht des Baumes der Kastanien.

Neuen Kommentar hinzufügen

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt, die Moderation der Kommentare liegt allein bei Lyrik123.de. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.