Friedrich Schiller Die Entzückung an Laura (1787)

  Laura, über diese Welt zu flüchten
  Wähn' ich, mich in Himmelsmaienglanz zu lichten,
   Wenn dein Blick in meinem Blicke flimmt;
  Ätherlüfte träum' ich, einzusaugen,
5 Wenn mein Bild in deiner sanften Augen
   Himmelblauem Spiegel schwimmt.

  Leierklang aus Paradieses Fernen,
  Harfenschwung aus angenehmern Sternen
   Ras' ich, in mein trunknes Ohr zu ziehn;
10 Meine Muse fühlt die Schäferstunde,
  Wenn von deinem wollustheißen Munde
   Silbertöne ungern fliehn.

  Amoretten seh' ich Flügel schwingen,
  Hinter dir die trunknen Fichten springen,
15  Wie von Orpheus' Saitenruf belebt;
  Rascher rollen um mich her die Polen,
  Wenn im Wirbeltanz deine Sohle
   Flüchtig, wie die Welle, schwebt.

  Deine Blicke, wenn sie Liebe lächeln,
20 Könnten Leben durch den Marmor fächeln,
   Felsenadern Pulse leihn;
  Träume werden um mich her zu Wesen,
  Kann ich nur in deinen Augen lesen,
   Laura, Laura mein!

Neuen Kommentar hinzufügen

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt, die Moderation der Kommentare liegt allein bei Lyrik123.de. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.