Friedrich von Matthisson Die Liebe (1815)

  Sag' an, o Lied, was an den Staub
  Den Erdenpilger kettet.
  Daß er auf dürres Winterlaub
  Sich wie auf Rosen bettet?
5 Das bist du, süße Lieb, du!
  Du wehst ihm Frühlingshoffnung zu,
  Wenn Laub und Blumen sterben!

  Wenn ihn Verzweiflung wild umfängt,
  Mit hundert Riesenarmen,
10 Gewaltig ihn zum Abgrund drängt,
  Wer wird sich sein erbarmen?
  Du, Liebe, du erbarmst dich sein,
  Führst ihn, durch goldnen Morgenschein,
  Sanft unter deine Mirten!

15 Wenn er am Sterbelager kniet,
  Wo, Herz von seinem Herzen,
  Der Jugend Liebling ihm verblüht,
  Wer sänftigt seine Schmerzen?
  Du, Liebe, du erscheinst voll Huld!
20 Durch Thränen lächelt die Geduld,
  Und schmiegt sich an den Kummer.

  O Liebe! wenn die Hand des Herrn
  Der Welten Bau zertrümmert,
  Kein Sonnenball, kein Mond, kein Stern
25 Am Firmament mehr schimmert:
  Dann wandelst du der Erde Leid,
  Gefährtin der Unsterblichkeit,
  In Siegsgesang am Throne!

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