Georg Friedrich Daumer Siehe, sieh, die Tulpenstengel (1850)
Siehe, sieh, die Tulpenstengel,
Diese frechen Ketzerlein,
Heben ihre bunten Becher
Und begehren Trunk und Wein.
5 Sieh, der Ost, der freche Buhle,
Jeder Rose, wo er weht,
Schmeichelt er den jungen Busen
Aus dem engen Miederlein.
Dieses lockere Gesindel
10 Fördert meine Tugend nicht;
Es erschüttert meine guten,
Frommen Sitten ungemein. -
Nur des Edlen, nur des Reinen,
Liebe Freunde, seid bestrebt;
15 Trinkt allein von edlen Weinen,
Trinket eure Weine rein! -
Ausgelös't sind alle Kutten,
Welche man um Wein versetzt;
Eine nur, es ist die meine,
20 Lieber Wirth, sie bleibe dein! -
Stirbt Hafis, o nicht begrabt ihn
In die dumpfe Gruft hinein;
Nein, begrabt ihn in den Keller,
Werft ihn in ein Faß voll Wein!
Bibliographische Daten
Georg Friedrich Daumer (1800-1875)
Siehe, sieh, die Tulpenstengel
Siehe, sieh, die Tulpenstengel, …
1850
Realismus
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