Georg Heym Korn. Saaten. Und des Mittags roter Schweiß (1910)

  Korn. Saaten. Und des Mittags roter Schweiß.
  Der Felder gelbe Winde schlafen still.
  Sie kommt, ein Vogel, der entschlafen will.
  Der Schwäne Fittich überdacht sie weiß.

5 Die blauen Lider schatten sanft herab.
  Und bei der Sensen blanken Melodien
  Träumt sie von eines Kusses Karmoisin
  Den ewigen Traum in ihrem ewigen Grab.

  Vorbei, vorbei. Wo an das Ufer dröhnt
10 Der Schall der Städte. Wo durch Dämme zwingt
  Der weiße Strom. Der Widerhall erklingt
  Mit weitem Echo. Wo herunter tönt

  Hall voller Straßen. Glocken und Geläut.
  Maschinenkreischen. Kampf. Wo westlich droht
15 In blinde Scheiben dumpfes Abendrot,
  In dem ein Kran mit Riesenarmen dräut,

  Mit schwarzer Stirn, ein mächtiger Tyrann,
  Ein Moloch, drum die schwarzen Knechte knien.
  Last schwerer Brücken, die darüber ziehn
20 Wie Ketten auf dem Strom, und harter Bann.

  Unsichtbar schwimmt sie in der Flut Geleit.
  Doch wo sie treibt, jagt weit den Menschenschwarm
  Mit großem Fittich auf ein dunkler Harm,
  Der schattet über beide Ufer breit.

25 Vorbei, vorbei. Da sich dem Dunkel weiht
  Der westlich hohe Tag des Sommers spät,
  Wo in dem Dunkelgrün der Wiesen steht
  Des fernen Abends zarte Müdigkeit.

  Der Strom trägt weit sie fort, die untertaucht,
30 Durch manchen Winters trauervollen Port.
  Die Zeit hinab. Durch Ewigkeiten fort,
  Davon der Horizont wie Feuer raucht.

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