Georg Trakl Die schöne Stadt (1910)

  Alte Plätze sonnig schweigen.
  Tief in Blau und Gold versponnen
  Traumhaft hasten sanfte Nonnen
  Unter schwüler Buchen Schweigen.

5 Aus den braun erhellten Kirchen
  Schaun des Todes reine Bilder,
  Großer Fürsten schöne Schilder.
  Kronen schimmern in den Kirchen.

  Rösser tauchen aus dem Brunnen.
10 Blütenkrallen drohn aus Bäumen.
  Knaben spielen wirr von Träumen
  Abends leise dort am Brunnen.

  Mädchen stehen an den Toren,
  Schauen scheu ins farbige Leben.
15 Ihre feuchten Lippen beben
  Und sie warten an den Toren.

  Zitternd flattern Glockenklänge,
  Marschtakt hallt und Wacherufen.
  Fremde lauschen auf den Stufen.
20 Hoch im Blau sind Orgelklänge.

  Helle Instrumente singen.
  Durch der Gärten Blätterrahmen
  Schwirrt das Lachen schöner Damen.
  Leise junge Mütter singen.

25 Heimlich haucht an blumigen Fenstern
  Duft von Weihrauch, Teer und Flieder.
  ilbern flimmern müde Lider
  Durch die Blumen an den Fenstern.

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