Gottfried Keller Ich fürcht’ nit Gespenster (1889)

  Ich fürcht' nit Gespenster,
  Keine Hexen und Feen,
  Und lieb's, in ihre tiefen
  Glühaugen zu seh'n.

5 Am Wald in dem grünen
  Unheimlichen See,
  Da wohnet ein Nachtweib,
  Das ist weiß wie der Schnee.

  Es haßt meiner Schönheit
10 Unschuldige Zier;
  Wenn ich spät noch vorbeigeh',
  So zankt es mit mir.

  Jüngst, als ich im Mondschein
  Am Waldwasser stand,
15 Fuhr sie auf ohne Schleier,
  Ohne alles Gewand.

  Es schwammen ihre Glieder
  In der taghellen Nacht;
  Der Himmel war trunken
20 Von der höllischen Pracht.

  Aber ich hab' entblößet
  Meine lebendige Brust;
  Da hat sie mit Schande
  Versinken gemußt!

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