Gottfried Keller Man merkte, daß der Wein geraten war – 1. Fassung (1847)

  Man merkte, daß der Wein geraten war:
  Der alte Bettler wankte aus dem Tor,
  Die Wangen glühend, wie ein Rosenflor,
  Mutwillig flatterte sein Silberhaar.

5 Und vor und hinter ihm die Kinderschar
  Umdrängte ihn, ein lauter Jubelchor,
  Draus ragte schwank der Selige empor,
  Sich vielfach spiegelnd in den Äuglein klar.

  Am Morgen, als die Kinderlein noch schliefen,
10 Von jungen Träumen drollig angelacht,
  Sah man den roten Wald von Silber triefen.

  Es war ein Reif gefallen über Nacht;
  Der Alte lag erfroren in dem tiefen
  Gebüsch, vom Rausch im Himmel aufgewacht.

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