Gottfried Keller Wie glänzt der helle Mond (1876)
Wie glänzt der helle Mond so kalt und fern,
Doch ferner schimmert meiner Schönheit Stern!
Wohl rauschet weit von mir des Meeres Strand,
Doch weiterhin liegt meiner Jugend Land!
5 Ohn Rad und Deichsel gibt's ein Wägelein,
Drin fahr ich bald zum Paradies hinein.
Dort sitzt die Mutter Gottes auf dem Thron,
Auf ihren Knien schläft ihr selger Sohn.
Dort sitzt Gott Vater, der den Heilgen Geist
10 Aus seiner Hand mit Himmelskörnern speist.
In einem Silberschleier sitz ich dann
Und schaue meine weißen Finger an.
Sankt Petrus aber gönnt sich keine Ruh,
Hockt vor der Tür und flickt die alten Schuh.
Bibliographische Daten
Gottfried Keller (1819-1890)
Wie glänzt der helle Mond
Wie glänzt der helle Mond so kalt und fern, …
1876
Realismus
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