Gustav Pfarrius Da droben saßen sie allzumal (1833)
Da droben saßen sie allzumal
Und zechten im alten Rittersaal;
Die Fackeln glänzten herab vom Stein
Und schimmerten weit in die Nacht hinein.
5 Es sprach der Rheingraf: »Ein Kurier
»Ließ jüngst mir diesen Stiefel hier;
»Wer ihn mit einem Zug wird leeren,
Dem soll Dorf Hüffelsheim gehören!«
Und lachend goß er mit eigner Hand
10 Voll Wein den Stiefel bis an den Rand,
Und hob ihn mitten wohl in den Kreis:
»Wohlan, Ihr Herrn, Ihr kennt den Preis!«
Johann von Sponheim hielt sich in Ruh
Und wünschte dem Nachbar Glück dazu,
15 Und dieser, Meinhart war's von Dhaun,
Zog scheu zusammen die dunkeln Braun'n;
Verlegen den Bart sich Flörsheim strich,
Und Kunz von Stromberg schüttelte sich,
Und selbst der muthige Burgkaplan
20 Sah den Koloß mit Schrecken an.
Doch Boos von Waldeck rief von fern:
»Mir her das Schlückchen! Zum Wohl, Ihr Herrn!«
Und schwenkte den Stiefel und trank ihn leer,
Und warf sich zurück in den Sessel schwer,
25 Und sprach: »Herr Rheingraf, ließ der Kurier
»Nicht auch seinen andern Stiefel her?
»Wasmaßen in einer zweiten Wette
»Auch Rorheim gerne verdienet hätte.«
Deß lachten sie alle und priesen den Boos
30 Und schätzten ihn glücklich als bodenlos;
Doch Hüffelsheim mit Maus und Mann
Gehörte dem Ritter Boos fortan.
Bibliographische Daten
Gustav Pfarrius (1800-1884)
Da droben saßen sie allzumal
Da droben saßen sie allzumal …
1833
Spätromantik
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