Gustav von Boddien Die Waldhexe

  Vorbei, vorbei zu Feld und Wald
  zu Roß in wilder Eile,
  was willst du schwebende Gestalt
  mit deinem Wink zur Weile?

5 Mein Bett ist nicht auf grüner Haid
  und nicht im schatt'gen Walde,
  es wartet mein die schönste Maid
  und Liebe ruft: "komm balde!"

  Laß ab, laß ab begleitend Weib,
10 dein Arm ist viel zu luftig,
  dein Blick zu todt, dein schlanker Leib
  zu kalt und nebelduftig.

  Mein Lieb hat weiß'ren Arm als du,
  hat Augen wie zwei Sterne,
15 und küßt und herzt und lacht dazu.
  Was drohst du mir von ferne?

  Der Reiher kreischt, es schlägt das Roß
  die blutgespornten Flanken,
  das Weib wird dreist und riesengroß
20 und wilder die Gedanken.

  Vorbei, vorbei wie Fittig rauscht,
  es nickt herab vom Baume,
  es huscht und hascht, es lugt und lauscht,
  schon greift sie nach dem Zaume.

25 Jetzt hat sie seinen Arm gefaßt,
  umher beginnt's zu dunkeln,
  es schwillt herauf, es drückt die Last,
  des Weibes Augen funkeln.

  Zwei Sprünge vom gestürzten Thier,
30 da liegt im dunkeln Walde
  der Reiter todt im Arme ihr
  und Liebe ruft: "komm balde!"

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  • http://TheArtSongProject.com/ Lalindqvist

    Es gibt eine spannende Vertonung von diesem Gedicht durch den Komponisten Anton Rubinstein.

  • Anonymous

    Vielen Dank für den Hinweis! Kann man diese Vertonung vielleicht irgendwo im Netz anhören?

    Herzliche Grüße!

    AK

    Von: Disqus [mailto:]
    Gesendet: Mittwoch, 29. Februar 2012 20:36
    An: disqus@beingoo.com
    Betreff: [lyrik123] Re: Die Waldhexe

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