Heinrich Heine Bleib du in deiner Meerestiefe (1819)
Bleib du in deiner Meerestiefe,
Wahnsinniger Traum,
Der du einst so manche Nacht
Mein Herz mit falschem Glück gequält hast,
5 Und jetzt, als Seegespenst,
Sogar am hellen Tag mich bedrohest --
Bleib du dort unten, in Ewigkeit,
Und ich werfe noch zu dir hinab
All meine Schmerzen und Sünden,
10 Und die Schellenkappe der Torheit,
Die so lange mein Haupt umklingelt,
Und die kalte, gleißende Schlangenhaut
Der Heuchelei,
Die mir so lang die Seele umwunden,
15 Die kranke Seele,
Die gottverleugnende, engelverleugnende,
Unselige Seele --
Hoiho! hoiho! Da kommt der Wind!
Die Segel auf! Sie flattern und schwelln!
20 Über die stillverderbliche Fläche
Eilet das Schiff,
Bibliographische Daten
Heinrich Heine (1797-1856)
Bleib du in deiner Meerestiefe
Bleib du in deiner Meerestiefe, …
1819
Spätromantik
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