Heinrich Heine „Die Welt war mir nur …“ (Fresko-Sonette an Christian S., VIII) (1821)

  Die Welt war mir nur eine Marterkammer,
  Wo man mich bei den Füßen aufgehangen,
  Und mir gezwickt den Leib mit glühnden Zangen,
  Und eingeklemmt in enger Eisenklammer.

5 Wild schrie ich auf vor namenlosem Jammer,
  Blutströme mir aus Mund und Augen sprangen, –
  Da gab ein Mägdlein, das vorbeigegangen,
  Mir schnell den Gnadenstoß mit goldnem Hammer.

  Neugierig sieht sie zu, wie mir im Krampfe
10 Die Glieder zucken, wie im Todeskampfe
  Die Zung aus blutgem Munde hängt und lechzet.

  Neugierig horcht sie, wie mein Herz noch ächzet,
  Musik ist ihr mein letztes Todesröcheln,
  Und spottend steht sie da mit kaltem Lächeln.

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