Heinrich Heine Morphine (1822)

  Groß ist die Ähnlichkeit der beiden schönen
  Jünglingsgestalten, ob der eine gleich
  Viel blässer als der andre, auch viel strenger,
  Fast möcht ich sagen viel vornehmer aussieht
5 Als jener andre, welcher mich vertraulich
  In seine Arme schloß -- Wie lieblich sanft
  War dann sein Lächeln und sein Blick wie selig!
  Dann mocht es wohl geschehn, daß seines Hauptes
  Mohnblumenkranz auch meine Stirn berührte
10 Und seltsam duftend allen Schmerz verscheuchte
  Aus meiner Seel -- Doch solche Linderung,
  Sie dauert kurze Zeit; genesen gänzlich
  Kann ich nur dann, wenn seine Fackel senkt
  Der andre Bruder, der so ernst und bleich. --
15 Gut ist der Schlaf, der Tod ist besser -- freilich
  Das beste wäre, nie geboren sein.

Neuen Kommentar hinzufügen

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt, die Moderation der Kommentare liegt allein bei Lyrik123.de. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.