Heinrich Heine Nachhall (1819)

  Mit Rosen, Zypressen und Flittergold
  Möcht ich verzieren, lieblich und hold,
  Dies Buch wie einen Totenschrein,
  Und sargen meine Lieder hinein.

5 [O könnt ich die Liebe sargen hinzu!
  Am Grabe der Liebe wächst Blümlein der Ruh,
  Da blüht es hervor, da pflückt man es ab, –
  Doch mir blühts nur, wenn ich selber im Grab.]

  Hier sind nun die Lieder, die einst so wild,
10 Wie ein Lavastrom, der dem Ätna entquillt,
  Hervorgestürzt aus dem tiefsten Gemüt,
  Und rings viel blitzende Funken versprüht!

  Nun liegen sie stumm und Toten gleich,
  Nun starren sie kalt und nebelbleich.
15 Doch aufs neu die alte Glut sie belebt,
  Wenn der Liebe Geist einst über sie schwebt.

  Und es wird mir im Herzen viel Ahnung laut:
  Der Liebe Geist einst über sie taut;
  Einst kommt dies Buch in deine Hand,
20 Du süßes Lieb im fernen Land.

  Dann löst sich des Liedes Zauberbann,
  Die blassen Buchstaben schaun dich an,
  Sie schauen dir flehend ins schöne Aug,
  Und flüstern mit Wehmut und Liebeshauch.

Neuen Kommentar hinzufügen

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt, die Moderation der Kommentare liegt allein bei Lyrik123.de. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.