Heinrich Heine Sehnsucht (1816)

  Jedweder Geselle, sein Mädel am Arm,
  Durchwandelt die Lindenreihn;
  Ich aber, ich wandle, daß Gott erbarm,
  Ganz mutterseel allein.

5 Mein Herz wird beengt, mein Auge wird trüb,
  Wenn ein andrer mit Liebchen sich freut.
  Denn ich habe auch ein süßes Lieb,
  Doch wohnt sie gar ferne und weit.

  So manches Jahr getragen ich hab,
10 Ich trage nicht länger die Pein,
  Ich schnüre mein Bündlein, und greife den Stab,
  Und wandr‘ in die Welt hinein.

  Und wandre fort manch hundert Stund,
  Bis ich komm an die große Stadt;
15 Sie prangt an eines Stromes Mund,
  Drei keckliche Türme sie hat.

  Da schwindet bald mein Liebesharm,
  Da harret Freude mein;
  Da kann ich wandeln, feins Liebchen am Arm,
20 Durch die duftigen Lindenreihn.

Neuen Kommentar hinzufügen

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt, die Moderation der Kommentare liegt allein bei Lyrik123.de. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.