Johann Georg Jacobi Lied (1774)

  Wenn im leichten Hirtenkleide
  Mein geliebtes Mädchen geht,
  Wenn um sie die junge Freude
  Sich im süßen Taumel dreht,
5 Unter Rosen, zwischen Reben,
  In dem Hain und an dem Bach,
  Folgt ihr dann mit stillem Beben
  Meine ganze Seele nach.

  Wär' ich auf der Frühlingsaue
10 Nur das Lüftchen, das sie fühlt,
  Nur ein Tropfen von dem Thaue
  Der um sie die Blume kühlt;
  Nur das Bäumchen an der Quelle,
  Das sie schützet und ergötzt,
15 Und die kleine Silberwelle,
  Die den schönsten Fuß benetzt!

  Wären meine Klagetöne
  Der Gesang der Nachtigall,
  Hörte mich die sanfte Schöne
20 Zärtlich in dem Wiederhall!
  Lispelt' ich an Rosenwänden
  Als ein Abendwind herab,
  Oder wär' in ihren Händen
  Der beblümte Hirtenstab!

25 Könnt' ich ihr als Veilchen dienen,
  Wenn sie neue Kränze flicht;
  Könnt' ich in der Laube grünen,
  Wo mit ihr ein Engel spricht!
  Böt' ich in vertrauten Schatten
30 Ihrem Schlummer sanftes Moos,
  Oder, wo sich Täubchen gatten,
  Meinen blumenreichen Schooß!

  Mach', o Liebe! dort im Stillen,
  Unter jenem Mirthenbaum,
35 Wo sie ruht, um ihretwillen
  Mich zum leichten Morgentraum!
  Mit verschämtem holden Lachen
  Sehe sie mein Schattenbild --
  Und, o Liebe, beym Erwachen
40 Werd' ihr Morgentraum erfüllt!

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