Johann Peter Hebel Neujahrslied (1834)

  1. Mit der Freude zieht der Schmerz
  Traulich durch die Zeiten.
  Schwere Stürme, milde Weste,
  Bange Sorgen, frohe Feste
5 Wandeln sich zur Seiten.

  2. Und wo eine Träne fällt,
  Blüht auch eine Rose.
  Schön gemischt, noch eh' wir's bitten,
  Ist für Thronen und für Hütten
10 Schmerz und Lust im Lose.

  3. War's nicht so im alten Jahr?
  Wird's im neuen enden?
  Sonnen wallen auf und nieder,
  Wolken gehn und kommen wieder,
15 Und kein Wunsch wird's wenden.

  4. Gebe denn, der über uns
  Wägt mit rechter Wage,
  Jedem Sinn für seine Freuden,
  Jedem Mut für seine Leiden
20 In die neuen Tage;

  5. Jedem auf des Lebens Pfad
  Einen Freund zur Seite,
  Ein zufriedenes Gemüte,
  Und zu stiller Herzensgüte
25 Hoffnung ins Geleite!

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