Johann Wolfgang von Goethe Der Musensohn (1804)

  Durch Feld und Wald zu schweifen,
  Mein Liedchen wegzupfeifen,
  So geht's von Ort zu Ort!
  Und nach dem Takte reget
5 Und nach dem Maß beweget
  Sich alles an mir fort.

  Ich kann sie kaum erwarten,
  Die erste Blum' im Garten,
  Die erste Blüt' am Baum.
10 Sie grüßen meine Lieder,
  Und kommt der Winter wieder,
  Sing ich noch jenen Traum.

  Ich sing ihn in der Weite,
  Auf Eises Läng' und Breite,
15 Da blüht der Winter schön!
  Auch diese Blüte schwindet,
  Und neue Freude findet
  Sich auf bebauten Höhn.

  Denn wie ich bei der Linde
20 Das junge Völkchen finde,
  Sogleich erreg ich sie.
  Der stumpfe Bursche bläht sich,
  Das steife Mädchen dreht sich
  Nach meiner Melodie.

25 Ihr gebt den Sohlen Flügel
  Und treibt durch Tal und Hügel
  Den Liebling weit von Haus.
  Ihr lieben, holden Musen,
  Wann ruh ich ihr am Busen
30 Auch endlich wieder aus?

Neuen Kommentar hinzufügen

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt, die Moderation der Kommentare liegt allein bei Lyrik123.de. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.