Johann Wolfgang von Goethe Abglanz (1815)

  Ein Spiegel er ist mir geworden,
  Ich sehe so gerne hinein,
  Als hinge des Kaysers Orden
  An mir mit Doppelschein;
5 Nicht etwa selbstgefaellig
  Such' ich mich überall;
  Ich bin so gerne gesellig
  Und das ist hier der Fall.

  Wenn ich nun vorm Spiegel stehe,
10 Im stillen Wittwerhaus,
  Gleich guckt, eh' ich mich versehe,
  Das Liebchen mit heraus.
  Schnell kehr' ich mich um, und wieder
  Verschwand sie die ich sah;
15 Dann blick ich in meine Lieder,
  Gleich ist sie wieder da.

  Die schreib' ich immer schöner
  Und mehr nach meinem Sinn,
  Trotz Krittler und Verhöhner,
20 Zu täglichem Gewinn.
  Ihr Bild in reichen Schranken
  Verherrlichet sich nur,
  In goldnen Rosenranken
  Und Rähmchen von Lasur.

Neuen Kommentar hinzufügen

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt, die Moderation der Kommentare liegt allein bei Lyrik123.de. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.