Johann Wolfgang von Goethe Das Veilchen (1774)

  Ein Veilchen auf der Wiese stand,
  Gebückt in sich und unbekannt;
  Es war ein herzig’s Veilchen.
  Da kam eine junge Schäferin,
5 Mit leichtem Schritt und munterm Sinn
  Daher, daher,
  Die Wiese her, und sang.

  Ach! denkt das Veilchen, wär’ ich nur
  Die schönste Blume der Natur,
10 Ach, nur ein kleines Weilchen,
  Bis mich das Liebchen abgepflückt,
  Und an dem Busen matt gedrückt!
  Ach nur, ach nur,
  Ein Viertelstündchen lang!

15 Ach! aber ach! das Mädchen kam
  Und nicht in Acht das Veilchen nahm,
  Ertrat das arme Veilchen.
  Es sank und starb und freut sich noch:
  Und sterb’ ich denn, so sterb’ ich doch
20 Durch sie, durch sie,
  Zu ihren Füßen doch.

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