Joseph Müller Das Veilchen
Spende, Veilchen, deine Düfte
zu Marias Preis und Ruhm,
statt des Weihrauchs, statt der Myrrhen
bring'ich dich in's Heiligthum.
5 Eiller Prunk und bunt Geschmeide
sind nicht deiner Schönheit Zier,
in dem einfach blauen Kleide
prangst du edler als Saphir.
Stille blühst du und bescheiden
10 deiner Tugend und bewusst,
einsam willst du gerne wohnen
aller Menschen Freud und Lust.
So auch blüthest du, Maria,
einsten als des Herren Braut,
15 Gott hat aller Welten Segen,
alle Himmel dir vertraut.
Keusche Jungfrau, Himmelspforte,
lass mich wie das Veilchen sein,
ohne Stolz und ohne Hoffart
20 stets bescheiden, keusch und rein.
Lass mich wie die blauen Blümchen
immer sanft sein, fromm und gut,
dir, Maria, stets zu Ehren
leben unter deiner Hut.
Bibliographische Daten
Joseph Müller (1823-1895)
Das Veilchen
Spende, Veilchen, deine Düfte …
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