Joseph von Eichendorff Abschied (1810)

  O Täler weit, o Höhen,
  O schöner grüner Wald,
  Du meiner Lust und Wehen
  Andächt'ger Aufenthalt!
5 Da draußen, stets betrogen,
  Saus't die geschäft'ge Welt,
  Schlag' noch einmal die Bogen
  Um mich, du grünes Zelt!

  Wenn es beginnt zu tagen,
10 Die Erde dampft und blinkt,
  Die Vögel lustig schlagen,
  Daß dir dein Herz erklingt:
  Da mag vergehn, verwehen
  Das trübe Erdenleid,
15 Da sollst du auferstehen
  In junger Herrlichkeit!

  Da steht im Wald geschrieben,
  Ein stilles, ernstes Wort
  Von rechtem Tun und Lieben,
20 Und was des Menschen Hort.
  Ich habe treu gelesen
  Die Worte schlicht und wahr,
  Und durch mein ganzes Wesen
  Ward's unaussprechlich klar.

25 Bald werd' ich dich verlassen,
  Fremd in der Fremde geh'n,
  Auf buntbewegten Gassen
  Des Lebens Schauspiel sehn;
  Und mitten in dem Leben
30 Wird deines Ernst's Gewalt
  Mich Einsamen erheben,
  So wird mein Herz nicht alt.

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