Joseph von Eichendorff Denkst du des Schlosses noch auf stiller Höh? (1833)

  Denkst du des Schlosses noch auf stiller Höh?
  Das Horn lockt nächtlich dort, als ob's dich riefe,
  Am Abgrund grast das Reh,
  Es rauscht der Wald verwirrend aus der Tiefe –
5 O stille! wecke nicht! es war, als schliefe
  Da drunten unnennbares Weh. –

  Kennst du den Garten? – Wenn sich Lenz erneut,
  Geht dort ein Fräulein auf den kühlen Gängen
  Still durch die Einsamkeit
10 Und weckt den leisen Strom von Zauberklängen,
  Als ob die Bäume und die Blumen sängen,
  Von der alten schönen Zeit.

  Ihr Wipfel und ihr Brunnen, rauscht nur zu!
  Wohin du auch in wilder Flucht magst dringen:
15 Du findest nirgends Ruh!
  Erreichen wird dich das geheime Singen,
  In dieses Sees wunderbaren Ringen
  Gehn wir doch unter, ich und du! –

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