Joseph von Eichendorff Der Kehraus (1839)

  Es fiedeln die Geigen,
  Da tritt in den Reigen
  Ein seltsamer Gast,
  Kennt keiner den Dürren,
5 Galant aus dem Schwirren
  Die Braut er sich faßt.

  Hebt an, sich zu schwenken
  In allen Gelenken.
  Das Fräulein im Kranz:
10 »Euch knacken die Beine. –«
  »Bald rasseln auch deine,
  Frisch auf spiel't zum Tanz!«

  Ein Kenner im Ringe
  Betrachtet die Sprünge,
15 Er findet's gemein.
  »Dir kann's auch nicht schaden!«
  Die vornehmen Waden
  Muß er schwingen im Reih'n.

  Die Spröde hinter'm Fächer,
20 Der Zecher vom Becher,
  Der Dichter so lind,
  Muß auch mit zum Tanze,
  Daß die Lorbeern vom Kranze
  Fliegen im Wind.

25 So schnurret der Reigen
  Zum Saal 'raus in's Schweigen
  Der prächtigen Nacht,
  Die Klänge verwehen,
  Die Hähne schon krähen,
30 Da verstieben sie sacht. –

  So ging 's schon vor Zeiten
  Und geht es noch heute,
  Und hörest du hell
  Aufspielen zum Reigen,
35 Wer weiß, wem sie geigen –
  Hüt' dich, Gesell!

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