Joseph von Eichendorff Sehnsucht (1824)

  Es schienen so golden die Sterne,
  Am Fenster ich einsam stand
  Und hörte aus weiter Ferne
  Ein Posthorn im stillen Land.
5 Das Herz mir im Leib entbrennte,
  Da hab’ ich mir heimlich gedacht:
  Ach, wer da mitreisen könnte
  In der prächtigen Sommernacht!

  Zwei junge Gesellen gingen
10 Vorüber am Bergeshang,
  Ich hörte im Wandern sie singen
  Die stille Gegend entlang:
  Von schwindelnden Felsenschlüften,
  Wo die Wälder rauschen so sacht,
15 Von Quellen, die von den Klüften
  Sich stürzen in die Waldesnacht.

  Sie sangen von Marmorbildern,
  Von Gärten, die über’m Gestein
  In dämmernden Lauben verwildern,
20 Palästen im Mondenschein,
  Wo die Mädchen am Fenster lauschen,
  Wann der Lauten Klang erwacht
  Und die Brunnen verschlafen rauschen
  In der prächtigen Sommernacht. –

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