Justinus Christian Andreas Kerner Wanderlied (1809)
Wohlauf! noch getrunken
Den funkelnden Wein!
Ade nun, ihr Lieben!
Geschieden muß sein.
5 Ade nun, ihr Berge,
Du väterlich Haus!
Es treibt in die Ferne
Mich mächtig hinaus.
Die Sonne, sie bleibet
10 Am Himmel nicht stehn,
Es treibt sie, durch Länder
Und Meere zu gehn.
Die Woge nicht haftet
Am einsamen Strand,
15 Die Stürme, sie brausen
Mit Macht durch das Land.
Mit eilenden Wolken
Der Vogel dort zieht,
Und singt in der Ferne
20 Ein heimatlich Lied.
So treibt es den Burschen
Durch Wälder und Feld,
Zu gleichen der Mutter,
Der wandernden Welt.
25 Da grüßen ihn Vögel
Bekannt überm Meer,
Sie flogen von Fluren
Der Heimat hieher;
Da duften die Blumen
30 Vertraulich um ihn,
Sie trieben vom Lande
Die Lüfte dahin.
Die Vögel, die kennen
Sein väterlich Haus,
35 Die Blumen einst pflanzt' er
Der Liebe zum Strauß;
Und Liebe die folgt ihm,
Sie geht ihm zur Hand:
So wird ihm zur Heimat
40 Das ferneste Land.
Bibliographische Daten
Justinus Christian Andreas Kerner (1786-1862)
Wanderlied
Wohlauf! noch getrunken …
1809
Hochromantik
« Adelbert von Chamisso: Die Löwenbraut
» Karl August Graf von Platen Hallermund: Im Wasser wogt die Lilie, die blanke, hin und her
Alle Gedichte von Justinus Christian Andreas Kerner auf Lyrik123.de.>
Neuen Kommentar hinzufügen
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt, die Moderation der Kommentare liegt allein bei Lyrik123.de. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

PDF

