Karl Simrock Der versenkte Hort (1826)

  Es war einmal ein König,
  Ein König war's am Rhein,
  Der liebte nichts so wenig
  Als Haders Not und Pein.
5 Es stritten seine Degen
  Um einen Schatz im Land
  Und wären fast erlegen
  Vor ihrer eignen Hand.

  Da sprach er zu den Edeln:
10 »Was frommt euch alles Gold,
  Wenn ihr mit euern Schädeln
  Den Hort erkaufen sollt?
  Ein Ende sei der Plage,
  Versenkt ihn in den Rhein;
15 Da bis zum Jüngsten Tage
  Mag er verborgen sein.«

  Da senkten ihn die Stolzen
  Hinunter in die Flut:
  Er ist wohl gar geschmolzen,
20 Seitdem er da geruht.
  Zerronnen in den Wellen
  Des Stroms, der drüber rollt,
  Läßt er die Trauben schwellen
  Und glänzen gleich dem Gold.

25 Daß doch ein jeder dächte,
  Wie dieser König gut,
  Und daß kein Leid ihn brächte
  Um seinen hohen Mut.
  So senkten wir hinunter
30 Den Kummer in den Rhein
  Und tränken frisch und munter
  Von seinem goldnen Wein.

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