Karl Wilhelm Ramler An den Frieden (1760) (1760)

  Wo bist du hingeflohn, geliebter Friede?
  Gen Himmel, in dein mütterliches Land?
  Hast du dich, ihrer Ungerechtigkeiten müde,
  Ganz von der Erde weggewandt?

5  Wohnst du nicht noch auf einer von den Fluren

  Des Oceans, in Klippen tief versteckt,
  Wohin kein Wuchrer, keine Missethäter fuhren,
  Die kein Eroberer entdeckt?

   Nicht, wo mit Wüsten rings umher bewehret,
10 Der Wilde sich in deinem Himmel dünkt?
  Sich ruhig von den Früchten seines Palmbaums nähret?
  Vom Safte seines Palmbaums trinkt?

   O! wo du wohnst, laß endlich dich erbitten:
  Komm wieder, wo dein süßer Feldgesang
15 Von heerdevollen Hügeln, und aus Weinbeerhütten
  Und unter Kornaltären klang.

   Sieh diese Schäfersitze, deine Freude,
  Wie Städte lang, wie Rosengärten schön,
  Nun sparsam, nun wie Bäumchen auf verbrannter Heide,
20 Wie Gras auf öden Mauern stehn.

   Die Winzerinnen halten nicht mehr Tänze;
  Die jüngst verlobte Garbenbinderin
  Trägt, ohne Saitenspiel und Lieder, ihre Kränze
  Zum Dankaltare weinend hin.

25  Denn ach! der Krieg verwüstet Saat und Reben
  Und Korn und Most; vertilget Frucht und Stamm;
  Erwürgt die frommen Mütter, die die Milch uns geben,
  Erwürgt das kleine fromme Lamm.

   Mit unsern Rossen fährt er Donnerwagen,
30 Mit unsern Sicheln mäht er Menschen ab;
  Den Vater hat er jüngst, er hat den Mann erschlagen,

  Nun fodert er den Knaben ab.

   Erbarme dich des langen Jammers! rette
  Von deinem Volk den armen Überrest!
35 Bind' an der Hölle Thor mit siebenfacher Kette
  Auf ewig den Verderber fest.

Neuen Kommentar hinzufügen

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt, die Moderation der Kommentare liegt allein bei Lyrik123.de. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.